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20 Jahre Kampagne für Saubere Kleidung in Deutschland

 logo ccc d 200px[09.12.2016]

Wollte ich die Arbeit der Kampagne der letzten 20 Jahre vorstellen, müsste ich ein Buch schreiben. Hier also nur ein kurzer Überblick unserer Aktivitäten, der auf keinem Fall den Anspruch der Vollständigkeit erhebt. Doch fangen wir bei der Gründung an: am 19. Oktober 1996 trafen sich Vertreter_Innen der Christliche Initiative Romero, des DGB Nord-Süd-Netzes, der Evangelische Frauenarbeit in Deutschland, des Institut SÜDWIND und Terre des Femmes zu einem Strategieseminar in Bad Kreuznach. Hintergrund dieses Treffens waren alarmierende Berichte aus den Textilfabriken Asiens und Mittelamerikas, in denen insbesondere junge Frauen unter oft unmenschlichen Bedingungen arbeiten.

2016 12 09 20 Jahre PlayFair015Die ersten Jahre
In Anlehnung an die bereits 1989 in den Niederlanden gegründete Clean Clothes Campaign hoben die Seminarteilnehmer_Innen die „Kampagne für saubere Kleidung“ aus der Taufe. 1999 waren bereits 16 Organisationen der Kampagne beigetreten und der erste Rundbrief der Kampagne erschien im selben Jahr. Besondere Highlights zu Beginn waren die Aktionen anlässlich der Winter- und Sommerschlussverkäufe. Aktivist_Innen der ersten Stunde machten mit Infoständen auf die unmenschlichen Arbeitsbedingungen aufmerksam. Gleichzeitig dazu fanden erste Gespräche mit Textilunternehmen wie Otto, adidas, Steilmann und C&A statt. Galt es doch, die Unternehmen mit den Zuständen in den Textilfabriken zu konfrontieren und auf Verbesserungen zu drängen. Auch die internationale Solidaritätsarbeit mit Arbeiter_Innen wurde mit großem Engagement im Rahmen der Eilaktionen begonnen.

2016 12 09 20 Jahre StraentheaterKampagne „Fit for fair“
Im Januar 2000 startete dann gemeinsam mit der internationalen Clean Clothes Campaign die Kampagne „Fit for fair“, bei der die Sportartikelhersteller im Fokus standen. Zum ersten Mal kamen Näherinnen aus Mittelamerika zu uns, die im Rahmen einer Rundreise über die Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken authentisch berichteten. 2002 fand dann der große „Fit for Fair“-Kongress in der Sporthochschule Köln statt.

 

2016 12 09 20 Jahre AdidasRunder Tisch Verhaltenskodizes
Am 17.01.2001 trafen sich auf Einladung des BMZ in der Bonner Vertretung der Friedrich-Ebert-Stiftung Vertreter_Innen von verschiedenen Ministerien, der Gewerkschaften, der Arbeitgeber (OTTO, BDI; AVE) und Nichtregierungsorganisationen (VENRO, FIAN, Transfair, CCC) zu einer ersten Sitzung des ”Runder Tisch Verhaltenskodizes”. Das Ziel des Runden Tisches war es die Umsetzung von Arbeits- und Sozialstandards in Entwicklungsländern durch Verhaltenskodizes von Unternehmen (Codes of Conduct) zu verbessern”. Nach einer fast vierjährigen Mitarbeit am Runden Tisch Verhaltenskodizes und einem zweieinhalbjährigen Verhandlungsprozess über ein Pilotprojekt im Bekleidungssektor zog sich die deutsche Kampagne für Saubere Kleidung November 2004 von diesem Gremium zurück. 

 

2016 12 09 20 Jahres UnterschriftenPilotprojekte & Kampagnenarbeit
2003 wurde das erste CCC-Pilotprojekt in Deutschland mit Hess Natur gestartet. Ziel des Projektes war die Einführung eines Verhaltenskodex, der alle Sozialstandards der CCC enthält, sowie einer unabhängigen Umsetzungskontrolle. Seit 2005 beschäftigt sich die Kampagne auch mit dem Thema ökofaire öffentliche Beschaffung. Die Discounter und Arbeitsbekleidungsunternehmen standen in den Jahren 2010 bis 2014 im besonderen Fokus der Kampagne. Aktuelle Kampagnen beschäftigen sich mit den Themen existenzsichernde Löhne (Lohn zum Leben) und der Schuh- & Lederherstellung (Change Your Shoes).

 

2016 12 09 20 Jahre Rechte fr2012 engagierte sich die Kampagne ganz massiv für die Offenlegungspflichten für Unternehmen. Die Bundesregierung versuchte zu verhindern, dass die EU-Kommission eine Transparenz-Richtlinie verabschiedet, obwohl es völlig unklar ist, wie weitreichend die Berichtspflichten überhaupt sein werden. Dabei scheint Deutschland das einzige Land zu sein, das sich empört, andere Länder (z.B. Frankreich) hatten schon weiterreichende Berichtspflichten. Ziel dieser Richtlinie: Sie soll Unternehmen verpflichten, regelmäßig über die Auswirkungen ihrer Tätigkeit auf Umwelt und Menschen in der gesamten Lieferkette zu berichten. Im Jahr 2013 fand das größte Unglück in einer Textilfabrik statt. Der Gebäudekomplex Rana Plaza in Bangladesch brach wegen Baumängel zusammen und tötete mehr als 1.000 Menschen. Abgestimmt mit der internationalen CCC wurde direkt eine große Öffentlichkeitskampagne initiiert, um die Forderungen der Geschädigten zu verbreiten. Ein Erfolg unserer Kampagnenarbeit konnten wir 2013 verzeichnen. 31 Unternehmen (zum Stichtag 15. Mai 2013) unterzeichneten das Abkommen über Brandschutz und Gebäudesicherheit in Bangladesch (Accord). Herzstück des Abkommens ist die Verpflichtung der Handelshäuser und Marken, die Kosten für die Instandsetzungen und Maßnahmen zu zahlen. 2014 gründete sich anlässlich des Jahrestages der Rana Plaza Katastrophe das Bündnis für nachhaltige Textilien. Die Kampagne wurde dort Mitglied und arbeitet in verschiedenen Arbeitsgruppen in diesem Bündnis mit.

2016 12 09 20 Jahre Rana PlazaUnsere Kampagne zeigt Wirkung!
Sportliche Megaevents wie Fußball Europa- und Weltmeisterschaften sowie die Olympischen Spiele, internationale Modeschauen, europaweite Initiativen zur Unternehmensverantwortung usw. waren und sind Anlässe für bundesweite Aktionen der Kampagne. Und immer wieder schreckliche Unfälle in den Textilfabriken. Die Katastrophen ziehen sich durch die gesamte Geschichte der Kampagne. Immer wieder mussten wir Forderungen formulieren und die betroffenen Unternehmen anprangern. Im Laufe ihrer nun 20 jährigen Geschichte konnte die Kampagne eine Vielzahl von Erfolgen erkämpfen. Unrechtmäßige Kündigungen von Gewerkschafter_Innen müssen zurück genommen, Entschädigungsfonds eingerichtet, ausstehende Löhne gezahlt werden. Doch leider gibt es nach wie vor keine strukturellen Verbesserungen im Arbeitsalltag der Näherinnen. Nach wie vor gibt es Hungerlöhne, nach wie vor gibt es marode Textilfabriken, nach wie vor gibt es extrem lange Arbeitszeiten. Es gibt also noch viel zu tun. Seit 2001 koordiniere ich nun die Geschicke der Kampagne. Es ist eine wunderbare Erfahrung, wenn ich sehe wie viele Menschen sich für bessere Arbeitsbedingungen einsetzen. Das macht Mut und gibt Kraft.

https://youtu.be/ROJC9GA9zSA

Bitte unterstützen Sie uns mit ihrer Spende! Um weiterhin öffentlichen Druck auf jene Firmen ausüben zu können, die Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen in ihrer Lieferkette missachten, sind wir dringend auf Ihre Spenden angewiesen! Wir wollen Sie weiterhin über Arbeitsrechtsverletzungen in der globalen Bekleidungsindustrie aufmerksam machen und unsere Partnerorganisationen im Globalen Süden in ihrer Arbeit unterstützen.

Christiane Schnura, Koordinatorin der Kampagne für Saubere Kleidung

 

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