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Firmenprofil

Tchibo

1. Generelle Informationen:

tchiboAnsprechperson: Achim Lohrie, Leiter der CSR Abteilung, Tchibo GmbH, Überseering 18, 22297 Hamburg Achim Lohrie, Tel.: +49 (0) 40 6387 4839, Fax: +49 (0) 40 6387 4445, aclo@tchibo.de,
Webseite: www.tchibo.com

Besitzstruktur: Tchibo GmbH ist eine 100% Tochter der Tchibo Holding AG, die sich aus zwei Teilkonzernen, Tchibo und Beiersdorf, zusammensetzt. Die Tchibo GmbH ist im Besitz der Familie Herz (je 35 Prozent besitzen die Brüder Michael und Wolfgang, je 15 Prozent Joachim und Mutter Ingeburg)

Geschichte: Der Konzern Tchibo wurde 1949 von Max Herz und Carl Tchilling gegründet. Aus Tchilling und Bohne wurde der Name Tchibo kreiiert. Tchilling stieg später aus. 1955 eröffnete die erste Filiale in Hamburg mit Probeausschank. Aus dem ursprünglichen Versender von Kaffee hat sich ein Konsumgüterunternehmen entwickelt, das mit einem Umsatz von 3,9 Milliarden Euro (2006) zu den Größten in Deutschland zählt. Tchibo hat einen hohen Bekanntheitsgrad, fast jede/r Deutsche kennt die kleinen Filialen und Depotstellen, die unscheinbar auftreten; faktisch aber macht Tchibo einen größeren Umsatz als alle Karstadt/Quelle Warenhäuser zusammen.

Finanzielle Lage: Der Gesamtkonzern Tchibo hatte hauptsächlich wegen der guten Entwicklung bei Beiersdorf im Jahr 2006 einen Zuwachs von 3 Prozent, der Umsatz lag bei 9 Milliarden EUR, der Profit wurde im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt auf 1.084 Millionen.

Interessanterweise konnte der Konzern trotz höherer Gewinne seine Steuerquote um mehr als die Hälfte reduzieren (von 39 Prozent in 2005 auf 15 Prozent in 2006). Im Tchibo Geschäftsbericht heißt es dazu: »Der relative Rückgang der Steuerquote beruht auf einmaligen steuerfreien Erträgen.« Der Teilkonzern Tchibo machte hingegen zwei Prozent weniger Umsatz (3.9 Milliarden) als im Vorjahr, der Profit lag aber immerhin noch bei 143 Mio.

Organisationsstruktur: Unter dem Vorstand der Tchibo GmbH gibt es zwei Sparten: den Kaffee und den non-food Bereich. Zu letzterem gehört die Bekleidung. Die Abteilung Corporate Social Responsibility wurde erst aufgrund der Proteste von Konsumentinnen durch den Druck der CCC Ende 2005 geschaffen. Sie verfügt heute über vier MitarbeiterInnen. Der Leiter der Abteilung berichtet direkt dem Vorstand. Die Abteilung arbeitet eng mit der Abteilung Qualitätsentwicklung und dem Einkauf zusammen. Sie soll darüber wachen, dass nicht nur nach Kostengründen eingekauft werden soll, sondern auch ethische Prinzipien wie Einhaltung des Tchibo Verhaltenskodex durch die Lieferanten berücksichtigt werden. Tchibo beschäftigt 12.775 MitarbeiterInnen, ein großer Teil der Verkäuferinnen in den Filialen sind Halbtagskräfte. Im Gegensatz zu Lidl und Aldi wurde bisher nichts über besonders schlechte Arbeitsbedingungen und niedrige Löhne bei Tchibo bekannt. Nur wenige Vertreterinnen des Gesamtbetriebsrates sind Mitglied bei Ver.di -  die meisten sind nicht gewerkschaftlich organisiert.

Produkte: Tchibo begann mit dem Kaffeeverkauf, das Unternehmen ist der viertgrößte Kaffeeröster weltweit und Marktführer in Deutschland. Heute hat Tchibo jede Woche rund 60 Artikel, davon 30 neue Produkte und Dienstleistungen (Versicherungen, Reiseangebote), in Form von Themenwelten in seinem Sortiment, daher der Werbeslogan »Jede Woche eine neue Welt«. Die Strategie hinter dem Konzept: keine Qual der Wahl. Die Kundin muss sich nicht zwischen zwei Modellen entscheiden, es gibt immer nur ein Typ eines Produktes. Ca. vier Wochen bleiben die Waren in der Tchibo Filiale oder beim Fachhandel, danach kann man sie noch weitere vier Wochen im Internet kaufen. Was bis dahin nicht an die Kundin gebracht werden konnte, wird bei Tchibo Prozente verramscht. Dies sind spezielle Tchibo Läden für Restbestände. Der Konzern vertreibt rund 400-500 Textilprodukte mit der hauseigenen Marke TCM pro Jahr. Die Bekleidungsartikel und Textilien  stellen rund ein Drittel am Umsatz des Konzerns dar. Tchibo beabsichtigt ab Juni 2007 eine neue Modekollektion einzuführen, die der Designer Michael Michalski entwirft («Mitch & Co.«), um jüngere Käuferschichten anzusprechen.

Tchibo im Vergleich zu anderen Konzernen: Tchibo gehört  zu den führenden Textileinzelhändlern in Deutschland, den Top Ten. Laut Textilwirtschaft nimmt Tchibo unter den Textileinzelhändlern 2005 Platz 9 ein, nach Karstadt/Quelle (Nr.1), Otto (Nr. 2) und Aldi (Nr.8), aber noch vor Lidl. Unter der Konsumgüterindustrie in Deutschland nimmt Tchibo sogar den 2. Platz (2003/04 Lebensmittelzeitung) ein, direkt hinter Nestlé.

Den Vertrieb seiner Produkte organisiert Tchibo über ca. 45.000 Verkaufsstellen in Supermärkten, Bäckereien, Schreibwarenläden, etc. sowie über 1.300 eigene Filialen. Im Versandhandel über E-Commerce im Internet ist Tchibo der drittgrößte Anbieter auf dem deutschen Markt mit rund 16 Mio Besuchern im Monat.  Tchibo macht seinen Umsatz zu 77 Prozent im Inland und nur 23 Prozent im Ausland. Dort hat es Tochtergesellschaften in folgenden zwölf europäischen Ländern: Schweiz, Österreich, Niederlande, Großbritannien,  Polen, Rumänien, Russland, Slowakei, Türkei, Tschechien, Ungarn, Ukraine.

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2. Einkaufspolitik und -strategie

Tchibo hat früher überall da eingekauft, wo die Waren am billigsten hergestellt werden konnten. Zukünftig soll stärker mit ausgewählten Lieferanten in vier-fünf Ländern zusammengearbeitet werden, und zwar in China, Pakistan, Türkei, Bangladesch und Vietnam. Zu einem großen Teil kauft Tchibo aber nicht direkt von den Lieferanten, sondern (noch) über Importeure. Diese Einkaufsstrategie wandelt sich zunehmend mehr hin zum direkten Einkauf, Importeure werden in Zukunft weniger Aufträge erhalten. Der allgemeine Trend in der T&B-Industrie zu weniger Lieferanten in ausgewählten Ländern wird somit auch von Tchibo verfolgt: Konzentration auf weniger Länder und weniger Lieferanten, die dann natürlich mehr Aufträge erhalten werden. Da vermutlich diese Lieferanten das große Auftragsvolumen nicht mehr allein bewältigen können, ist mit einem verstärkten subcontracting zu rechnen. Dies beinhaltet weniger Transparenz und in der Regel sich verschlechternde Arbeitsbedingungen je weiter nach unten die Aufträge vergeben werden.

Tchibo platziert seine Aufträge auch über Internetauktionen, wo die bietenden Firmen die Preise ihrer Konkurrenten sehen können, wodurch ein Unterbieten bewirkt werden soll.

Im Vergleich zu Modeketten, die alle zwei Wochen neue Kollektionen herausgeben, sind die Produktionszeiträume bei Tchibo eher lang, da die Themenwelten zwölf Monate im voraus geplant werden. Dies ermöglicht theoretisch längere Lieferzeiten, wodurch Lieferanten nicht so unter Druck gesetzt werden. Inwiefern die Lieferzeiten bei Tchibo aber wirklich länger sind und den Lieferanten mehr Spielraum geben, ist der CCC nicht bekannt.

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3. CSR Politik

Tchibo verfügt über einen Sozialkodex (»Social Code of Conduct«), der auf Grund der starken Kritik der CCC mehrfach überarbeitet worden ist und heute den üblichen Standards entspricht. Die CCC führte von Mitte 2004 bis Ende 2006 eine Kampagne gegen Tchibo. Am Beispiel von Lieferanten in Bangladesch konfrontierte die CCC das Unternehmen mit massiven Arbeitsrechtsverletzungen bei seinen Zulieferern. Rund eineinhalb Jahre »mauerte« Tchibo, sagte Gespräche mit der CCC kurzfristig ab und leugnete seine Mitschuld an den Arbeitsverhältnissen bei seinen Lieferanten. Gegen Ende 2005 fand ein Wandel in der Einstellung des Unternehmens statt, erste konstruktive Gespräche führten zu einer Entschädigung bzw. Wiedereinstellung von entlassenen Arbeiterinnen bei einem Lieferanten Tchibos in Bangladesch, und das Unternehmen legte sich eine Abteilung für Corporate Social Responsibility zu. Sie verfügt heute über vier MitarbeiterInnen.

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4. Umsetzung der CSR Politik

Tchibo führt derzeit als Public Private Partnership (PPP) ein Qualifizierungsprogramm für seine Importeure und acht bis zehn ausgewählte Lieferanten in den oben genannten vier strategischen Ländern (ohne Vietnam) durch. Die CCC kritisiert daran, dass Steuergelder (PPP) hierfür benutzt werden, denn Tchibo hätte dieses Programm auch ohne staatliche Unterstützung durchgeführt.

Bisher ist uns nur bekannt, dass Tchibo die Managementebene seiner Lieferanten für Sozialstandards und Unternehmensverantwortung sensibilisiert und qualifiziert, nicht aber die Aufklärung der Arbeiterinnen in den Fabriken über ihre Rechte aktiv vorantreibt. Trotz eines verbesserten Verhaltenskodexes und Qualifizierungsmaßnahmen hat sich nach Information unserer PartnerInnen bei den Lieferanten von Tchibo die Arbeitssituation - konkret: Zahlung von existenzsichernden Löhnen und Bildung von Gewerkschaften/Betriebsräten - nicht wesentlich verändert. Bei einem Lieferanten in Bangladesch wurde lediglich eine Beschwerdebox eingeführt, die aber immerhin von den ArbeiterInnen genutzt wird.

Tchibo verfügt über ein internes Monitoringsystem zur Überprüfung seiner Lieferanten und ist im Jahr 2006 Social Accountability International (SAI) beigetreten, einem externen sozialen Auditierungsunternehmen. Die CCC musste zahlreiche Arbeitsrechtsverletzungen in Fabriken feststellen, die von SAI zertifiziert worden sind. Einerseits begrüßt die CCC, dass Unternehmen überhaupt sich extern kontrollieren lassen, sieht allerdings viele soziale Auditierungsunternehmen kritisch, weil sie als kommerzielle Prüfgesellschaften profitorientiert arbeiten und lokale Stakeholder (Gewerkschaften, NRO) nicht wirklich einbinden. Die bisherigen Erfahrungen mit Sozialaudits haben darüber hinaus gezeigt, dass die punktuellen Kontrollen nicht wirklich Veränderungen bei der Umsetzung von Sozialstandards bewirken.

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5. Transparenz

Tchibo berichtet lediglich in seinem Geschäftsbericht und im Internet sehr allgemein unter der Überschrift »Unternehmensverantwortung« über seine Aktivitäten im Bereich CSR. Es fehlt ein detaillierter Sozialbericht und erst recht ein Bericht nach den Richtlinien der Nachhaltigen Berichterstattung oder Global Reporting Initiative (GRI). Dieser setzt Standards und ermöglicht so erst einen Vergleich zwischen Unternehmen. Tchibo legt auch nicht die Produktionsstätten offen, bei denen das Unternehmen einkauft, wie es inzwischen andere Firmen (Adidas, Puma, Nike) tun.

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