[12. April 2010 | Eilaktion | Update 2]
Am 11. April jährt sich zum fünften Mal der Einsturz der Spectrum-Fabrik in Bangladesch, bei dem 64 Menschen starben und 80 verletzt wurden, davon 54 schwer. Der Fabrikeinsturz löste weltweit Entsetzen aus. Die Katastrophe führte vor Augen, wie gravierend die Sicherheitsprobleme in der bangladeschischen Bekleidungsindustrie sind.
Das Feuer in der Garib&Garib-Fabrik am 25. Februar diesen Jahres – bei dem 21 Menschen starben und weitere 50 verletzt wurden – zeigt in dramatischer Weise, dass auch fünf Jahre später Sicherheitsstandards missachtet werden. Echtes Engagement ist nun endlich nötig, damit TextilarbeiterInnen nicht um ihr Leben fürchten müssen, wenn sie zur Arbeit gehen.
In dem Zeitraum zwischen 2005 und 2010 kam es zu mindestens 172 Todesfällen in der bangladeschischen Bekleidungsindustrie. Die meisten ArbeiterInnen nähten Kleidung für international bekannte Unternehmen.
Wie viele ArbeiterInnen müssen noch sterben, bevor die bangladeschische Regierung und internationale Konzerne endlich wirksame Schritte einleiten?
Anlässlich des Jahrestags fordert die Kampagne für Saubere Kleidung gemeinsam mit dem kanadischen Maquila Solidarity Network und dem US-amerikanischen Labor Rights Forum die bangladeschische Regierung, die Arbeitgeberorganisation BGMEA und die internationalen Einkäufer auf, nun endlich zielführende und nachhaltige Schritte einzuleiten, um die strukturellen Probleme zu lösen. Die Kampagne für Saubere Kleidung hat dazu auch die ehemaligen deutschen Spectrum-Einkäufer Arcandor (ehemals KarstadtQuelle), Bluhmod, Kirsten Mode, New Yorker und Steilmann angeschrieben, die bisher keine Entschädigungszahlungen geleistet haben, sowie Otto als ehemaligen Garib&Garib-Einkäufer.
Für die Opfer der Spectrum-Tragödie hatte das spanische Unternehmen Inditex (Zara) einen Entschädigungsfonds eingerichtet, aus dem im Dezember 2008 endlich die ersten Entschädigungen für hinterbliebene Familien gezahlt wurden. Nach einer weiteren Zahlung im Sommer 2009 erfolgen die Zahlungen jedoch leider schleppend. Viele Familien erhalten die ihnen zustehenden Entschädigungen nicht, da es in Bangladesch kein zuverlässiges System der Banküberweisungen gibt. Zurzeit stehen noch 44 Monatszahlungen aus; die Verantwortlichen hoffen, die Zahlungen in den nächsten Wochen zu tätigen. Außerdem stehen noch Zahlungen für sechs schwer verletzte ArbeiterInnen aus. Bisher haben nur die leicht verletzten ArbeiterInnen die vollen Zahlungen erhalten, für die keine weiteren Zahlungen vorgesehen sind.
Die Clean Clothes Campaign kritisiert den Verzug der Zahlungen. Es ist endlich an der Zeit, dass die Opfer fünf Jahre nach der Tragödie endlich das Geld erhalten, das ihnen versprochen wurde! Gerade mit Blick auf den aktuellen Bandunfall bei Garib&Garib ist es wichtig, dass ein System gefunden wird, mit dem Zahlungen schnell und zuverlässig getätigt werden können.
[11. April 2009 | Eilaktion | Update 1]
Endlich erhalten die Opfer Entschädigungszahlungen / Deutsche Unternehmen beteiligen sich bislang nicht an den Zahlungen.
Am 11. April jährt sich zum vierten Mal der Einsturz der Spectrum Fabrik in Bangladesch, bei dem 64 Menschen starben und 80 verletzt wurden, davon 54 schwer. Nach Jahren der Verzögerung kann die Kampagne für ‚Saubere‘ Kleidung nun endlich bekannt geben, dass die Opfer Entschädigungszahlungen erhalten. In Zusammenarbeit mit der Internationalen Textil-, Bekleidungs- und Lederarbeiter-Vereinigung (ITBLV) hat der ehemalige spanische Fabrikeinkäufer Inditex (Zara) einen Entschädigungsfond eingerichtet; verletzte ArbeiterInnen haben bereits einen Großteil der Zahlungen erhalten. Zahlungen an die Hinterbliebenen der verstorbenen ArbeiterInnen wurden eingeleitet. Deutsche Unternehmen, die bei Spectrum produzierten, beteiligen sich bislang jedoch nicht an den Zahlungen.
Der Entschädigungsfond – ursprünglich geplant ab September 2006 mit einer Summe von 533.000 Euro – soll den Opfern und ihren Familien ein monatliches Einkommen sowie medizinische Versorgung zusichern. Andere Unternehmen wie Arcandor (ehemals KarstadtQuelle), New Wave Group (Schweden), Scapino (Niederlande) und Solo Invest (Frankreich), die auch bei Spectrum und der zugehörigen Shahriyar Fabrik produzierten, haben sich bereit erklärt, sich an dem Fond zu beteiligen. Die deutschen Unternehmen New Yorker, Kirsten Mode und Bluhmod lehnen eine Beteiligung an dem Entschädigungsfonds weiterhin ab.
Im Dezember 2008 erhielten 40 der 54 verletzten ArbeiterInnen die ausstehenden Zahlungen für den Zeitraum von 2005 bis 2008 inklusive monatlicher Rentenbeträge, wobei bereits getätigte Zahlungen abgezogen wurden. Zwei ArbeiterInnen hatten die vollen Zahlungen bereits erhalten. Elf weitere ArbeiterInnen erhalten die Entschädigungen, sobald ihre Kontodaten bekannt sind. Ein Opfer, das nicht in der Spectrum Fabrik angestellt war, erhielt ebenfalls Entschädigungszahlungen. Die Höhe der Entschädigungszahlungen richtet sich nach der Schwere der Verletzungen. Es ist außerdem vorgesehen, dass die Rentenbeträge um 4,2% pro Jahr erhöht werden. Momentan ist allerdings unklar, ob die gezahlten Beträge die jährlichen Erhöhungen sowie die Zinsen der letzten Jahre enthalten.
Fast alle verletzten ArbeiterInnen haben neue Jobs bei Zulieferern des spanischen Unternehmens Inditex oder in anderen Fabriken gefunden. Einige der jüngeren ArbeiterInnen haben ihre Ausbildung fortgesetzt und ihre Berufe gewechselt. Die Kampagne für ‚Saubere’ Kleidung begrüßt diese Entwicklung, da behinderte ArbeiterInnen in der Bekleidungsindustrie oft diskriminiert werden. Sechs ArbeiterInnen leiden seit dem Einsturz an bleibenden Behinderungen und sind dauerhaft auf zusätzliche Zahlungen aus dem Entschädigungsfond angewiesen. Vier weitere behinderte ArbeiterInnen hatten bisher regelmäßige Zahlungen erhalten, die aber zum Ende dieses Jahres auslaufen.
Fast alle Hinterbliebenen der verstorbenen ArbeiterInnen erhielten Ende 2008 einmalige Entschädigungszahlungen. Allerdings sind ihnen bisher keine Renten ausgezahlt worden, die nach den Vereinbarungen des Entschädigungsfonds ebenfalls vorgesehen sind. Da die Auszahlungen nun begonnen haben, hofft die Kampagne für ‚Saubere’ Kleidung, dass dies möglichst bald nachgeholt wird.
Alle Informationen zur momentanen Situation der betroffenen Familien sowie zu den geleisteten Zahlungen wurden von der bangladeschischen Gewerkschaft National Garment Worker Foundation (NGWF), einer CCC-Partnerorganisation, bestätigt.
Da der Entschädigungsfond nun endlich erfolgreich Zahlungen getätigt hat, können sich jene Unternehmen ihrer Verantwortung nicht weiter entziehen, die sich bisher geweigert hatten, sich an den Entschädigungszahlungen zu beteiligen. Die Kampagne für ‚Saubere‘ Kleidung fordert die deutschen Firmen Arcandor (ehemals Karstadt/Quelle), New Yorker, Steilmann, Kirsten Mode und Bluhmod sowie die französische Carrefour-Gruppe und das belgische Unternehmen Cotton Group auf, sich nun endlich an dem Entschädigungsfond zu beteiligen.
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Nur wenige Tage vor dem zweiten Jahrestag des Einsturzes der Spectrum-Textilfabrik, welcher 64 Todesopfer und 80 Verletzte (davon 54 Schwerverletzte) forderte, haben 22 ArbeiterInnen eine erste Zahlung aus dem Trauhänderfonds (Voluntary Relief Scheme) erhalten. Bei einem Treffen am 1. April in Dhaka verteilte Inditex (Zara), Hauptinitiator des Fonds, etwa 3000 US-Dollar an die ArbeiterInnen und versicherte, dass eine Initialzahlung von 60.000 US-Dollar in Kürze in den Fonds eingezahlt wird. Anwesend waren neben Inditex auch VertreterInnen der Internationalen Vereinigung der Textil- und LederindustriearbeiterInnen (International Textile Garment and Leather Workers Federation, ITGLWF) sowie lokale Organisationen und Gewerkschaften.
Der Fonds soll Entschädigungszahlungen für Einkommensausfälle leisten und folgt früheren Anstrengungen zur Bereitstellung medizinischer Versorgung und anderer Arten von Notfallhilfe. Viele Überlebende waren auf Grund ihrer Verletzungen nicht in der Lage, ihre Familien zu versorgen; viele Familien haben durch das Unglück ihre Haupteinkommensquelle verloren und sind nach der Katastrophe tief in Armut und Schulden gestürzt.
„Jeden Monat muss ich einen Kredit aufnehmen, um meine Familie zu ernähren“, sagt die 40-jährige Zarina, deren Ehemann Solaiman beim Fabrikeinsturz getötet wurde. Sie und ihre drei Kinder haben nur das magere Einkommen ihrer Tochter zur Verfügung, die ebenfalls in einer Textilfabrik arbeitet. Das Geld der Familie reicht nicht einmal zur Befriedigung der Grundbedürfnisse. „Ich kann die Kredite nicht zurückzahlen, der Geldbetrag steigt jeden Tag… Es macht mich krank, wenn ich an all das denke.“
Einige Unternehmen, die bei Spectrum und der angrenzenden Shahriyar-Fabrik in der Vergangenheit Aufträge platziert hatten – Inditex (Spanien), KarstadtQuelle (Deutschland), New Wave Group (Schweden), Scapino (Niederlande) und Solo Invest (Frankreich) – haben zugestimmt, sich an dem Fonds zu beteiligen. Die Unternehmen hatten bei Spectrum. Der Fonds soll den Überlebenden und den Familien derer, die in der Fabrik ums Leben kamen, ein monatliches Einkommen sichern.
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Zu denen, die einer Beteiligung an den Zahlungen in den Fonds nicht zugestimmt haben, gehören: Carrefour (Frankreich), Cotton Group (Belgien), New Yorker, Steilmann, Kirsten Mode und Bluhmod (Deutschland).
Die Kampagne für ‚Saubere’ Kleidung (CCC) begrüßt sehr, dass der Fonds für die ArbeiterInnen nun Wirklichkeit wird und möchte all denen danken, die zu seiner Entstehung beigetragen haben. Die CCC wird weiterhin das Voranschreiten des Fonds begleiten und alle anderen Unternehmen, die bisher ihre Beteiligung verweigert haben, zur Partizipation am Fonds aufrufen.
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Bengalische und internationale NGOs und Gewerkschaften hatten unmittelbar nach der Katastrophe bei Spectrum Sweaters europäische Unternehmen, die bei Spectrum ihre Produkte hergestellt haben, zum Handeln aufgefordert. Im Juli letzten Jahres zirkulierte der spanische Textileinzelhändler Inditex ein Konzept für ein „freiwilliges Unterstützungsprogramm“ (Voluntary Relief Scheme) für die betroffenen ArbeiterInnen. Dieses enthält den Vorschlag zur Errichtung eines Treuhänderfonds, mit dem die Familien der Opfer und die verletzten ArbeiterInnen für ihr ausfallendes Einkommen entschädigt werden sollen.
Ein erstes Angebot war Anfang 2006 zur Kommentierung an alle betroffenen Unternehmen herumgeschickt worden. Außerdem beriefen Inditex und die ITGLWF eine Reihe von Runden Tischen für ehemalige Spectrum-EinkäuferInnen und andere Stakeholder ein. Die Kalkulation über die benötigten finanziellen Mittel dauerte über ein Jahr und basiert auf ausgedehnten und detaillierten Recherchen (durchgeführt von der NGO Incidin Bangladesh u.a.), um Informationen über Opfer, ihre Familien und die beim Einsturz Verletzten zusammenzutragen. Der erforderliche Bruttobetrag zur Unterstützung der ArbeiterInnen wurde auf 533.323 Euro festgelegt. Der Treuhänderfonds wird von einem Treuhänderausschuss geleitet, der VertreterInnen aller teilnehmenden Stakeholder-Gruppen miteinschließt. Neben den Beiträgen der Markenfirmen und Einzelhändler, die ihre Ware bei Spectrum beziehen, sollen Gelder des Spectrum-Besitzers, der Regierung Bangladeschs, der bengalischen Vereinigung von TextilarbeiterInnen und -exporteuren (Bangladesh Garment Manufacturers and Exporters Association, BGMEA) sowie Beiträge von zivilgesellschaftlichen Organisationen und Einzelpersonen dazukommen.
Im September 2006 stimmte KarstadtQuelle einer Beteiligung an dem Fonds zu. Bei den Folgetreffen im Oktober und November bestätigte das Unternehmen seine Partizipation über eine Höhe von mindestens 100 000 Euro. Dieser Übereinkunft folgten Anstrengungen vieler Organisationen und Einzelpersonen in Deutschland. Die CCC möchte sich dafür bei allen Beteiligten und insbesondere bei VertreterInnen der evangelischen Kirche in Deutschland bedanken. Auch kleinere Unternehmen wie Solo Invest (Frankreich; hat 5.000 Euro versprochen), Scapino (Holland) und New Wave Group haben einer Beteiligung zugestimmt.
Die Familien der getöteten ArbeiterInnen (mit einer Ausnahme von dreien) haben nach dem Einsturz jeweils 100.000 Taka (etwa 1.084 Euro) vom Fabrikbesitzer und der Regierung erhalten. Der Besitzer von Spectrum-Shahriyar hat über mehrere Monate ein Ersatzeinkommen an besonders betroffene Familien bezahlt. Zudem wurden von den anfänglichen 25.000 Euro, die Inditex im Juni 2005 für medizinische Versorgung und andere Programme bereitgestellt hatte, weitere Einzelbeträge ausgezahlt. Die Summe dieser Zahlungen wurde auf 85.000 Euro kalkuliert und wird von der Summe abgezogen, welche die ArbeiterInnen aus dem Fonds erhalten werden.
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Aktionsaufruf:
Steilmann, Kirsten Mode, Bluhmod und New Yorker noch heute, um Ihre Besorgnis über den Mangel an ausreichender Entschädigung für die Überlebenden und die Familien der getöteten ArbeiterInnen zu äußern.
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Musterbrief:
Sehr geehrte/r [Namen einfügen],
zwei Jahre sind vergangen, seit die Spectrum-Textilfabrik, einer Ihrer Zulieferer in Bangladesch, eingestürzt ist und dabei 64 Menschen tötete sowie dutzende ArbeiterInnen verletzte.
Ich kontaktiere Sie bezüglich der verzweifelten Situation, in der sich die Überlebenden und die Familien der getöteten ArbeiterInnen befinden. Ich bin von der Kampagne für ‚Saubere’ Kleidung darüber informiert worden, dass viele der betroffenen Familien noch immer nicht genügend Einkommen haben, um Essen, Miete und Schulgebühren für ihre Kinder zu bezahlen. Auch für die notwendige medizinische Versorgung fehlt vielen Familien ein ausreichendes Einkommen, da sie durch das Unglück den Hauptversorger verloren haben. Viele Familien mussten Kredite aufnehmen und leben dennoch in extremer Armut.
Ihr Unternehmen hat sich bis heute nicht dazu bereit erklärt, sich an dem Fonds zu beteiligen. Andere Unternehmen haben bereits mit Zahlungen begonnen, die den betroffenen Familien ein Einkommen sichern.
Ich fordere auch Ihr Unternehmen heute dazu auf, die ArbeiterInnen über den eingerichteten Fonds zu unterstützen. Ihr Unternehmen muss seine soziale Verantwortung gegenüber den Opfern der Spectrum-Katastrophe wahrnehmen und dafür sorgen, dass die Spectrum-Familien ein menschenwürdiges Leben führen können. Andere europäische Unternehmen haben bereits gezeigt, dass durch ein gemeinsames Engagement eine angemessene Unterstützung der ArbeiterInnen möglich ist.
Ich bitte Sie, noch heute eine öffentliche Erklärung zu machen, in der Sie ihre Teilnahme am Spectrum-Fonds bekannt geben und die Öffentlichkeit über ihre weiteren Schritte im Fall Spectrum informieren.
Mit freundlichen Grüßen,
[Ihren Namen einfügen]
Adressen der Unternehmen:
Bluhmod - Köln
Welserstraße 6a
51149 Köln
Deutschland
E-mail: vertrieb@bluhmod.de
Klaus Steilmann GmbH & Co.KG
z.Hd. Frau Steilmann
Feldstraße 4
44867 Bochum
Deutschland
E-mail: ute_steilmann@steilmann.com
Kirsten Mode Design
z. Hd. Herrn Pape
Emschermulde 6
45891 Gelsenkirchen
Deutschland
E-mail: andreas_pape@kirsten-mode.com
New Yorker
z. Hd. Mr. Horn
Hansestraße 48
38112 Braunschweig
Deutschland
E-mail: whorn@newyorker.de