Eilaktionen-Archiv
(abgeschlossene Fälle)
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Mink Tekstil/Türkei [Update vom 18.12.2008]
[18. Dezember 2008 | Eilaktionen | Akuelle Fälle | Update]
Ende der Europameisterschaft bedeutete Ende der sozialen Verantwortung?
Im Sommer 2008 machte die Kampagne für ‚Saubere’ Kleidung Fußballfans und KonsumentInnen über Arbeitsrechtsverletzungen beim Fußball-Fanartikelhersteller Mink Tekstil in der Türkei aufmerk-sam. Der Fabrikbesitzer von Mink Tekstil hatte 52 ArbeiterInnen entlassen, die sich aktiv für bessere Arbeitsbedingungen einsetzten und sich einer Gewerkschaft angeschlossen hatten. Recherchen der Kampagne für ‚Saubere’ Kleidung und der lokalen Gewerkschaft Teksif hatten ergeben, dass in der Fabrik im Auftrag der UEFA und des österreichischen Handelsunternehmen IPM Artikel mit dem EU-RO 2008 Logo hergestellt wurden.
Hunderte von UnterstützerInnen der Kampagne beteiligten sich an Eilaktionen und forderten die Wie-dereinstellung der entlassenen ArbeiterInnen. Die Protestbriefe richteten sich auch an die UEFA und IPM, denn als Auftraggeber sollten sie ihre soziale Verantwortung für die ArbeiterInnen in ihren Zulie-ferfabriken wahrnehmen und sich für deren Rechte einsetzen. Der Fall stieß unmittelbar vor dem Start der Fußball-Europameisterschaft bundesweit auf Presseresonanz. Der öffentliche Druck bewirkte, dass UEFA und IPM zu dem Fall Stellung nehmen mussten.
UEFA und IPM verstecken sich hinter dem Argument der Produktpiraterie
Sowohl UEFA als auch IPM lehnten jegliche Verantwortung ab. Sie verstrickten sich jedoch in ihren Aussagen immer wieder in Widersprüchen. Letztendlich gaben IPM an, dass in der Fabrik Mink Tekstil zwar Testaufträge für die EURO 2008 Produkte platziert worden waren, es jedoch nie zu einem Auf-trag gekommen sei. In der türkischen Presse und im Internet stieß die Kampagne für ‚Saubere’ Klei-dung jedoch auf verschiedene Hinweise, dass Mink Tekstil EURO 2008 Produkte für IPM produzierte. Konfrontiert mit diesen Hinweisen, behaupteten die Konzerne, dass der Fabrikbesitzer von Mink Tekstil die Produkte ohne Lizenzrechte produziert und damit illegal gehandelt hätte. Es würde sich um einen Fall der Produktpiraterie handeln.
Bis heute haben UEFA und IPM der Kampagne für ‚Saubere’ Kleidung keinen Beweis für diese An-schuldigungen vorgelegt. IPM weigerte sich, seine Zuliefererliste offen zu legen und stellte auch keine Dokumente zur Verfügung, die belegen, dass es außer den Testaufträgen keine weiteren Aufträge gegeben hatte. Anstatt zu einer Aufklärung des Falls beizutragen und damit auch die betroffenen Ar-beiterInnen zu unterstützen, drohte IPM der Kampagne für ‚Saubere’ Kleidung mit einer Klage. Das Angebot, sich mit VertreterInnen der österreichischen Kampagne persönlich zu treffen, lehnte IPM ab.
Mit Ende der Fußball-Europameisterschaft brachen UEFA und IPM den Kontakt zur Kampagne für ‚Saubere’ Kleidung ab und reagierten nicht mehr auf Anfragen. Nach der Europameisterschaft hatte die öffentliche Aufmerksamkeit rund um den Fall abgenommen und die Unternehmen befürchteten keinen weiteren Image-Schaden mehr.
Die entlassenen ArbeiterInnen haben mittlerweile Anstellung in einer anderen Fabrik gefunden. Da in der Fabrik Mink Tekstil alle Gewerkschaftsmitglieder entlassen worden waren, liegen der Kampagne für ‚Saubere’ Kleidung keine aktuellen Informationen darüber vor, wie die Arbeitsbedingungen in der Fabrik derzeit sind. Die Kampagne und Partnerorganisationen in den Produktionsländern werden aber auch in Zukunft genau beobachten, wo und unter welchen Bedingungen UEFA-Fanartikel angefertigt werden. Auch werden wir weiter zu Arbeitsbedingungen bei Zulieferern von IPM recherchieren und gegebenenfalls die Öffentlichkeit über Arbeitsrechtsverletzungen informieren.
Weitere Informationen bei:
Evelyn Bahn
Kampagen für ‚Saubere’ Kleidung
c/o INKOTA-netzwerk
bahn@inkota.de
Mink Tekstil/Türkei – Rote Karte für Produzenten von EM 2008 Fanartikeln
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[10. Juni 2008 | Eilaktionen | Akuelle Fälle]
Rote Karte für Produzenten von EM 2008 Fanartikeln
UEFA-Präsidenten Michel Platini muss sich für
faire Arbeitsbedingungen in Textilfabriken einsetzen
Bereits bevor der Ball bei der Fußball-Europameisterschaft 2008 über die Felder gekickt wurde, mussten 52 ArbeiterInnen in der Türkei die Kehrseite der EM-Medaille erleben. Sie arbeiteten für die Fabrik Mink Tekstil in Konya/Türkei, in der Fan-Artikel mit dem Logo Euro 2008 produziert werden. Nachdem in der Fabrik immer wieder nationale und internationale Arbeitsstandards verletzt wurden, wollten sich 90 Prozent der Belegschaft der Gewerkschaft Teksif anschließen. Das Fabrikmanagement weigerte sich jedoch die Gewerkschaft anzuerkennen und entließ 52 der ArbeiterInnen, die sich aktiv für bessere Arbeitsbedingungen einsetzten. Obwohl ein türkisches Gericht entschied, dass die Entlassungen rechtswidrig waren, weigert sich Mink Tekstil weiterhin, die ArbeiterInnen wieder einzustellen und die Gewerkschaft anzuerkennen.
Auftraggeber der Euro 2008 Produkte ist das Unternehmen Warner Bros. Consumer Products (WBCP). Veranstalter der EM 2008 ist die Union of European Football Associations (UEFA), die mit WBCP eine weltweite exclusive Parnterschaft zur Vermarktung von EM Fanartikel eingegangen ist. WBCP hat die Lizenz auf alle EM-Fanartikel und ist damit beauftragt, diese zu produzieren sowie zu vermarkten. WBCP war von der internationalen Textilgewerkschaft aufgefordert worden, sich für die Wiedereinstellung der entlassenen ArbeiterInnen einzusetzen. Doch hat WBCP sich zu dem Fall nicht geäußert und toleriert damit die Verletzung von nationalen und internationalen Arbeitsstandards bei seinen Zulieferern.
Die Kampagne für ‚Saubere’ Kleidung wendet sich deshalb auch an
- UEFA-Präsidenten Michel Platini - Vergeber der Lizenzen für EM-Fanartikel
- Herrn Büyükkaplan – Besitzer der Fabrik Mink Tekstil
und fordert:
- Die Wiedereinstellung der ArbeiterInnen und die Bezahlung von ausstehenden Löhnen seit der Entlassung der ArbeiterInnen;
- Die Sicherstellung des Rechts auf Vereinigungsfreiheit und das Recht auf Tarifverhandlungen bei Mink Tekstil.
Schicken auch Sie eine Protestmail und fordern Sie, dass auch für die ArbeiterInnen bei Mink Tekstil die Prinzipien der EM 2008 - Fairness und Respekt - gelten müssen!
Beteiligen Sie sich hier online an der Protestaktion!
Musterbrief:
UEFA President Michel Platini
Route de St-Cergue 9
CH-1260 Nyon 1
Schweiz
Fax: +41 (0) 848 01 2008
Email: info@euro2008.com
Mink Tekstil Sanayi ve Ticaret A.S.
3. Organize Sanayi Bölgesi
Ihsan Dede Caddesi, No: 3
42300 Konya
Turkey
Tel: ++90 332 239 06 06
Fax: ++90 332 239 07 30
(Bitte beachten Sie, dass wir bislang keine Email-Adresse von Mink Tekstil haben. Das Versenden von Protest-Faxen hat in der Vergangenheit jedoch große Wirkung erzielt. Ein Fax lässt sich nun mal nicht so leicht löschen, wie eine Email!)
Musterbrief an Herrn Michel Platini & Herrn Büyükkaplan:
Dear Mr. Michel Platini,
Dear Mr. Büyükkaplan,
I am writing to express my concern for the 52 workers of Mink Tekstil (Konya/Turkey), who were illegally dismissed after they joined the textile union Teksif. The Clean Clothes Campaign (CCC) has informed me that those workers produced among other things merchandising products for Euro 2008.
I understand that the Labour Court as well as the High Court of Appeal ordered the reinstatement of 49 of the dismissed workers, but so far Mink Tekstil is still refusing to take back any of the workers.
I kindly ask you to immediately arrange that all dismissed workers must be re-instated, with back pay since the date of their dismissal. I also request that the right to freedom of association and the right to bargain collectively will be guaranteed in the future.
Please inform me about any steps you take in this case.
Sincerely,
IHR NAME
Deutsche Übersetzung:
Sehr geehrter Herr Michel Platini,
Sehr geehrter Herr Büyükkaplan,
Hiermit möchte ich Ihnen meine Besorgnis mitteilen, bezüglich der 52 ArbeiterInnen von Mink Tekstil (Konya/Türkei). Die ArbeiterInnen wurden unrechtmäßig entlassen, nachdem sie MitgliederInnen der Textilgewerkschaft Teksif wurden. Die Kampagne für ‚Saubere’ Kleidung informierte mich darüber, dass diese ArbeiterInnen unter anderen Fanartikel für Euro 2008 herstellten. Nach meinen Informationen hat sowohl das nationale Arbeitsgericht als auch das Hohe Gericht der zweiten Instanz die Wiedereinstellung von 49 der entlassenen ArbeiterInnen gefordert. Bis heute weigert sich Mink Tekstil allerdings die ArbeiterInnen wieder einzustellen.
Ich möchte Sie bitten, sich umgehend um die Wiedereinstellung der ArbeiterInnen und die Zahlung von ausstehenden Löhnen seit deren Entlassung zu kümmern. Zudem fordere ich Sie auf, dass Recht auf Vereinigungsfreiheit und das Recht auf Tarifverhandlungen bei Mink Tekstil in Zukunft zu garantieren.
Bitte informieren Sie mich über alle Schritte, die Sie in diesem Fall unternehmen.
Mit freundlichen Grüßen,
IHR NAME